Mein Name ist Ralf Heinig, ich bin Jahrgang 1976, geboren in Zwickau und aufgewachsen etwas südlich davon in Kirchberg. Nach dem Abitur 1994 leistete ich meinen Zivildienst in einer Sozialstation im Bereich der ambulanten Pflege. Während dieser Zeit stand die Frage nach meiner weiteren beruflichen Entwicklung im Raume. Nach einem Besuch im Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes entschied ich mich für das Studium der Medizinischen Informatik in Heilbronn bzw. Heidelberg. Ich hatte zwar keine rechte Vorstellung davon, was dies eigentlich ist, aber ich war der Meinung, dass meine mathematischen Fähigkeiten, das Interesse an Informationstechnologie und die durch den Zivildienst geweckte Neugier an der Medizin in diesem Studium gut aufgehoben waren. Also machte ich mich im Oktober 1995 auf nach Heilbronn, um mich in das Studentenleben zu stürzen, auch wenn der Schritt heraus aus dem Elternhaus hinein in eine vollkommen die neue Hochschulwelt nicht unbedingt einfach fiel.

Der Beginn des Studiums war vor allem geprägt von Grundlagenfächern, was nicht unbedingt auf Gegenliebe von uns Erstsemester stieß. Ich kann aber rückblickend sagen, dass mir das Studium von Semester zu Semester immer mehr Spaß gemacht hat und ich gemerkt habe, dass die Entscheidung für diesen Studiengang die richtige war.

Neben den eigentlichen Studiumstätigkeiten habe ich mich von Beginn an in der Fachschaf(f)t, später im Fachbereichsrat und in der Ökumenischen Studentengemeinde engagiert. Hier habe ich vielfältige Kontakte und Freundschaften auch außerhalb des Studiengangs aufbauen können, die bis heute andauern.

In den ersten Semestern hatte ich diverse Nebenjobs, um ein wenig Geld zusätzlich in die nicht allzu prall gefüllte Studentenkasse zu bekommen. Im fünften Semester wurde mir eine feste Stelle mit 60 Stunden pro Monat als wissenschaftliche Hilfskraft in der Basisdokumentation des Universitätsklinikums Heidelberg angeboten, die ich bis zum Ende meines Studiums inne hatte. Meine Aufgaben dort bestanden hauptsächlich in der Daten- und Katalogpflege und im Programmieren von Auswertungen im Patientenverwaltungssystem des Universitätsklinikums (IS-H von SAP). Hierbei hatte ich die Möglichkeit, mich - hauptsächlich autodidaktisch - in die R/3-Welt von SAP einzuarbeiten. Bis heute habe ich keinen SAP-Kurs besucht und besitze trotzdem recht umfangreiche Kenntnisse in IS-H (dem Krankenhausmodul), in ABAP (der Programmiersprache, in der das gesamte R/3-System geschrieben wurde) und in der Systemadministration.

Im Hauptstudium wählte ich den Studienschwerpunkt "Informationssysteme des Gesundheitswesens", was mit einem Umzug nach dem sechsten Semester nach Heidelberg verbunden war. Darüber hinaus absolvierte ich ergänzend den Schwerpunkt "Management im Gesundheitswesen" (komplett), sowie ausgewählte Fächer aus den Bereichen Biometrie und Bildverarbeitung. Ich habe in meinem Studium fast alle Vorlesungen gehört bzw. Praktika und Seminare belegt, die für mich interessant waren bzw. die mir für meinen Studienschwerpunkt vorteilhaft erschienen.

Im April 2000 habe ich mein Studium abgeschlossen und arbeite seitdem in der EDV-Abteilung der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. Das ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit mehr als 1000 Patientenbetten. Die Motivation, in einer großen Klinik zu arbeiten, erhalte ich bis heute in dem spannenden Arbeitsumfeld: die Vielfältigkeit der unterschiedliche Fachdisziplinen und damit verbundenen unterschiedlichen Interessen, die ungeheure Dynamik durch die Weiterentwicklung der Informationstechnologie und der Medizin und die Gesetzgebung (Gesundheitsreform seit vielen Jahren als Dauerzustand) lassen die Räder einer EDV-Abteilung niemals stillstehen. Im Gegenteil: Man hat immer viel mehr Pläne und Arbeit, als man überhaupt schaffen kann. So können rasant verlaufende Entwicklungen wie z.B. das Internet (eMail, WWW, etc.) erst mit großer Verspätung flächendeckend im Krankenhaus umgesetzt werden.

Meine momentane Tätigkeit ist eine gute Mischung aus einem geringen Teil Routinetätigkeit wie z.B. Hotline, Benutzeradministration und First- und Second-Level-Support und einem Großteil Projekttätigkeit. Die Routinetätigkeiten - und seien sie noch so trivial - sind mir wichtig geworden, um mit fast jedem Anwender in Kontakt zu bleiben und somit das Ohr am Puls der Zeit zu haben. Die Projekte machen die Arbeit interessant und abwechslungsreich. Meist laufen viele Projekte (kleinere und größere) an denen ich beteiligt bin, parallel ab. Zu den größeren Projekten gehörten beispielsweise die Einführung eines EDV-Systems zur Planung und Dokumentation von OP- und Anästhesieleistungen incl. dem zentralen OP-Management, diverse Releasewechsel (SAP R/3, OP-System), die Euro-Umstellung und die Einführung der Abrechnung nach DRG's (vollpauschalierte Abrechnung aller stationären Patienten). Beispiele für kleinere Projekte wären die Einführung von Abteilungsinformationssystemen in der Gynäkologie, Gastroenterologie, dem Sozialdienst und der Hygiene-Abteilung. Dazu kommen diverse Teilprojekte vor allem in der Patientenabrechnung, weil sich aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen ständig Änderungen ergeben. Die Projektarbeit erstreckt sich zumeist von der Konzeptionierung bis hin zur Realisierung und Einführung. Da viele Projekte parallel laufen, ist eine gute Verteilung der eigenen Ressourcen (vor allem der Zeit!) nicht immer einfach und führt zu Interessenskonflikten und vielen Überstunden.

Nichtsdestotrotz macht die Arbeit viel Spaß, weil man einen sehr guten Einblick in viele Bereiche des Krankenhauses bekommt. Einen so umfangreichen und gleichzeitig tiefgehenden Überblick über die organisatorischen Abläufe haben nur ganz wenige Personen. Und man hat Umgang mit Personal jeglicher Art: von der Putzfrau bis zum Geschäftsführer, Ärzte jeglichen Rangs (von AIP bis Chefarzt), Pflegepersonal, medizinisch-technisches Personal etc. und natürlich auch mit Verwaltungspersonal.

Rückblickend finde ich das Studium der Medizinischen Informatik in Heilbronn und Heidelberg sehr umfangreich mit einer guten Mischung aus Theorie und Praxis. Zwar ist das Grundstudium sehr stark Mathematik-lastig, hat man dies aber erst mal durchgestanden, so offenbart das Hauptstudium doch eine Fülle an interessanten Anwendungsfächern. Überhaupt kann ich die breite Streuung der Fächer nur positiv bewerten: Man bekommt eine Menge Einblicke in Nebenfächern, die im späteren Berufsleben (wenn auch nicht alle) durchaus nützlich sind. Weiterhin habe ich es als sehr angenehm empfunden, ein Studium zu absolvieren, dass eine übersichtliche Zahl Studenten ausbildet. Der Kontakt sowohl zwischen den Studenten und Dozenten, als auch innerhalb der Studentenschaft ist sehr eng; keine Spur von Anonymität. Und der Zusammenhalt bleibt auch zwischen allen Absolventen bestehen, was beruflich sehr von Vorteil ist. Bei aktiver Mitarbeit in den verschiedensten Gremien und Organisationen kann man das Studium sehr aktiv mitgestalten. Die damit verbundenen persönlichen Kontakte sind auch im Studium von Vorteil. Die vielfältigen Berufsmöglichkeiten sind ein weiterer Grund, diesen Studiengang zu absolvieren.

Zu guter Letzt kann ich sagen, dass ich mein Studium zu keiner Zeit bereut habe und ich immer wieder gerne bei einem Viertele Heilbronner Wein daran zurückdenke.