Dr. sc. hum. Ulrich Eckert
41 Jahre, verheiratet, 3 Kinder
Geschäftsführer HAEMONETICS GmbH München

Studium

  • Studium Medizinische Informatik, Heilbronn, 1975-1981
  • Gaststudium, Dallas USA, 1980
  • Diplomarbeit, Universität Heidelberg 1981
  • Promotion, Universität Heidelberg 1984-1991
  • London Business School, London, 1991
  • INSEAD, Paris, 1993

Berufliche Stationen:

  • Wissenschaftliche Hilfskraft, Universität Heidelberg, 1977 - 1981
  • Zivildienst 1982/83
  • Projektleiter Klinikrechenzentrum, Universität Heidelberg, 1983 - 1984
  • Projektleiter, Bundesanstalt für Flugsicherung (BFS), 1985
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter Fraunhofer Institut (ISI), Karlsruhe, 1985 - 1987
  • APPLE COMPUTER
  • Deutschland GmbH 1987 - 1994
  • Großkunden Projektleitung, 1987 - 1989
  • Strategische Projektplanung, 1990
  • Leiter Verkauf Großkunden, 1991 - 1992
  • Direktor Business Systems, 1993 - 1994
  • HAEMONETICS Deutschland GmbH
  • Geschäftsführer Deutschland seit 1995
  • Coorporate Vice President seit 1996

Studium Medizinische Informatik - Das breite Fundament

Der Numerus Clausus in Medizin steuert mich 1975 aufgrund meiner technischen und naturwissenschaftlichen Neigungen zum Studium der Medizinischen Informatik. Im dritten Semester erhalte ich die Zulassung zum Medizinstudium - und lehne wegen des Spaßes an MI ab - rückblickend war das kein Fehler!

Ist das Studium zu breit und nicht tief genug ("Bindestrich-Informatik")?

 

Heute bin ich überzeugt, dass die Breite und Vielfalt des Studiums den eigentlichen persönlichen Wert darstellt. Das vermittelte Grundverständnis für die unterschiedlichsten Disziplinen im Bereich Informatik, Naturwissenschaft, Medizin und Betriebswirtschaft bieten ein breites Fundament, für welches mich bis heute noch manch ein "Spezialist" beneidet. Für meinen weiteren Werdegang mußte ich später noch den betriebswirtschaftlichen Teil durch gezielte Fortbildungskurse an der London Business School und am INSEAD vertiefen - auf Kosten und zum Nutzen meines Arbeitgebers APPLE COMPUTER.
Die Rahmenbedingungen des Studiums an der HS Heilbronn, die auch später weiterbestehenden persönlichen Beziehungen zu Studienkollegen und Dozenten, die politische Arbeit in der Fachschaft bei der Mitgestaltung des Studiums - das alles sind lange wirkende persönliche Werte und Erfahrungen im Umfeld eines Studiums.

Berufliche Arbeitserfahrung - die persönliche Orientierung

Zur persönlichen Orientierung und Ausrichtung auf die spätere Arbeitszeit halte ich die Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft im Rahmen des Studiums für sehr wichtig. Die unterschiedlichsten Arbeitsverhältnisse zwischen 1977 (HiWi) und 1987 (Wissenschaftler am Fraunhofer Institut, Abteilung Telematik) stellen später einen Fundus an beruflichen Erfahrungen dar. Auch das nur kurze Arbeitsverhältnis in der schwerfälligen Umgebung einer Behörde (BFS) zählt zur Lebenserfahrung, die mir später den Umgang mit Behörden leichter machte.

Promotion - Luxus oder berufliche Notwendigkeit?

Die Promotion zum Thema "Rahmenbedingungen und Prinzipien zur Kopplung autonom gewachsener Subsysteme zu integrierten Informationssystemen" stellt eine theoriefundierte Zusammenfassung meiner praktischen Erfahrungen mit den zunehmenden dezentralen Informationssystemen dar. Sie umrahmt meine Erfahrungen am Klinikrechenzentrum Heidelberg, am Fraunhofer Institut und im Projektmanagement bei APPLE COMPUTER.
Eine Promotion parallel zum vollen Arbeitseinsatz in der Industrie bedeutet sicher eine sehr große Zusatzbelastung, vor allem auch für die Familie - mit welchem Wert?
Der Zwang, die tägliche Arbeit und Erfahrung auf die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zu reflektieren, ist sicher eine besondere Herausforderung und Chance: sie vermeidet, dass man allzu unkritisch in das allemeine Marketingblabla der IT-Industrie einstimmt und man somit beim Kunden an Kompetenz gewinnt. Außerdem stellt der Kontakt zum akademischen Umfeld eine Bereicherung des industriellen Alltags dar.
Als Geschäftsführer eines Unternehmens in der Biotechnologie erleichtert der Titel den offenen Zugang zum medizinischen Umfeld. Die repräsentative Wirkung der Promtion ist eine Frage des Zeitgeistes und stellt objektiv keinen Wert dar.

Berufliche Fortbildung - unverzichtbar für den Erfolg

Besonders in der Zeit bei APPLE COMPUTER spielt die berufliche Fortbildung eine für die spätere Laufbahn entscheidende Rolle. Beruflicher Erfolg führt zur Chance, an anspruchsvollen Ausbildungsprogrammen teilzunehmen.
Auf Basis der betriebswirtschaftlichen Grundlagen des Studiums in Heilbronn besteht die Gelegenheit, diese Kenntnisse wesentlich zu vertiefen und in Praxis anzuwenden. Ich bin heute überzeugt, dass das MI-Studium eine gute Basis für die spätere berufliche Fortbildung und Spezialisierung schafft.

Berufliche Herausforderung - Verantwortung und Unternehmensführung

Nach mehrjähriger Tätigkeit in Vertrieb und Marketing in der PC-Industrie bedeutet die Übernahme der Geschäftsführung in der deutschen Niederlassung eines amerikanischen Biotechnologieunternehmens eine besondere persönliche Herausforderung.
Die HAEMONETICS GmbH ist ein auf Zellseparation und Blutzelltherapie spezialisiertes Unternehmen mit 45 Mitarbeitern in Deutschland. Das HAEMONETIVS Produkt- und Dienstleistungsspektrum beliefert Kliniken, Blutbanken und die Pharmaindustrie mit Gesamtlösungen im Bereich Zellbearbeitung.
In der Funktion als Geschäftsführer schließt sich der Kreis aus dem Studium der Medizinischen Informatik und der anschließenden Berufserfahrung zu einem optimalen Wissensprofil:

  • Beherrschung medizinischer Terminologie und medizinisches Grundwissen
  • Promotion im medizinischen Umfeld
  • Vertieftes Wissen in Immunologie (Nebenfach bei Promotion)
  • Verständnis in Physiologie, Physik, Elektrotechnik und Biochemie
  • Informatikwissen bei Architektur und der Vernetzung der Medizingeräte
  • Kenntnisse in integrierter Unternehmensdatenverarbeitung
  • Erfahrung in Projektplanung und Systemanalyse
  • Betriebswirtschaftliche Praxiserfahrung
  • Führungswissen und Fähigkeiten zur Mitarbeitermotivation

Geschäftsführung bedeutet Strategieplanung und Mitarbeiterführung.
In dieser Funktion kommt es darauf an, für den Medizinmarkt durch intuitives Verständnis der verschiedensten Funktionsbereiche ein Unternehmen zu formen, welches durch modernste Technologie, guten Kundendienst, hohe Lieferbereitschaft, fundierte Schulungen, kontinuierliche Betreuung und kompetente Beratung für die Kunden ein attraktiver Industriepartner sein muss.

Zusammenfassung

Diese Darstellung zum 25-jährigen Jubiläum der Medizinischen Informatik brachte mich dazu, eine Zwischenbilanz meines beruflichen Werdegangs zu ziehen.
Bei der Gedankensammlung für diesen Bericht ist mir selbst erstmals richtig bewusst geworden, welch optimale Startbedingungen mir das Studium der Medizinischen Informatik gegeben hat. Es kommt in vielen Berufsabschnitten weniger auf das mitgebrachte Spezialwissen, sondern vielmehr auf die Bereitschaft an, sich in ein neues Arbeitsfeld einzuarbeiten - und darin wird der Medizinische Informatiker sicher gut trainiert.
Das Studium der Medizinischen Informatik in Heilbronn hat mir einen alles entscheidenden Erfolgsfaktor vermittelt: Freundschaften mit Studienkollegen, Spaß am Studium und im Berufsalltag.