Heilbronn ist eine Großstadt im Norden Baden-Württembergs. Mit 124.257 (31. Dez. 2011) ist sie die sechstgrößte Stadt des Landes Baden-Württemberg und die zweitgrößte Stadt des Landesteils Württemberg.

Die am Neckar gelegene ehemalige Reichsstadt ist heute kreisfreie Stadt und zugleich Sitz des Landkreises Heilbronn, von dem sie vollständig umgeben ist. Darüber hinaus ist sie Oberzentrum der württembergischen Region Heilbronn-Franken, die den Nordosten Baden-Württembergs umfasst. Die regionaltypische Bezeichnung für die Gegend um Heilbronn ist das Unterland.

Heilbronn ist bekannt als Stadt des Weins sowie als Käthchenstadt. Letztere Bezeichnung bekam die Stadt durch das Schauspiel Das Käthchen von Heilbronn des Dramatikers Heinrich von Kleist.

Geographie

Heilbronn liegt im nördlichen Baden-Württemberg in einer durch den Neckar gebildeten fruchtbaren Talfläche. Zu beiden Seiten des Neckars ist die Stadt von einer ausgedehnten Weinberglandschaft umgeben. Im Osten umschließen (von Norden nach Süden) der Wartberg, der Galgenberg, der Büchelberg und der Schweinsberg die Stadt.

Heilbronn liegt in der Nähe der Mundart-Grenze zwischen dem schwäbisch-alemannischen und dem fränkischen Dialekt.

Das Stadtgebiet von Heilbronn ist in neun Stadtteile gegliedert. Neben Heilbronn selbst sind dies Biberach, Böckingen, Frankenbach, Horkheim, Kirchhausen, Klingenberg, Neckargartach und Sontheim.

Geschichte

Besiedlung und Stadtgründung

Die ältesten menschlichen Spuren in den fruchtbaren Neckarauen des Heilbronner Beckens datieren bis in die Altsteinzeit (30.000 v. Chr.) zurück. Bei Heilbronn trafen sich bereits in der Vorzeit uralte Fernwege, die dort den Neckar überquerten. Die Römer sicherten im 1. Jahrhundert n. Chr. ihre Grenze längs des Neckarlimes mit Kastellen, u. a. beim späteren Ortsteil Böckingen, wo sich insgesamt acht Römerstraßen trafen. Nach den Römern herrschten ab Mitte des 3. Jahrhunderts die Alamannen im Neckarraum und wurden um 500 durch die Franken verdrängt, die ihre östlichen Provinzen mit Königshöfen besiedelten. Auf einen solchen Königshof geht vermutlich die erste größere Siedlung im Bereich der heutigen Kernstadt zurück.

Der Ort wird erstmalig als villa Helibrunna in einer auf das Jahr 741 datierten Schenkung erwähnt. Der Name deutet auf einen Brunnen bzw. eine Quelle hin. Ein Markt wird um 1050, ein Hafen um 1140 erstmals genannt. Der Ort entwickelte sich früh zum bedeutenden Handelszentrum. 1225 wird die Stadt erstmals als oppidum (befestigte Stadt) bezeichnet, 1281 verleiht König Rudolf I. von Habsburg Heilbronn das Stadtrecht. Um 1300 wird die Kilianskirche erstmalig genannt sowie ein Marktplatz mit Rathaus.

Jüngere Geschichte

Heilbronn kommt in Folge der Mediatisierung im September 1802 mit anderen Reichsstädten an Württemberg und wird Sitz des Oberamts Heilbronn.

Ab 1815 wird der Neckar, der seit dem hohen Mittelalter durch unzählige Wehre und Mühlen versperrt gewesen war, wieder schiffbar gemacht. Von 1819 bis 1821 wird der Wilhelmskanal gebaut und trägt zur einsetzenden Industrialisierung bei, die insbesondere durch die Heilbronner Papiermühlen vorangetrieben wird. 1832 ist Heilbronn die Stadt mit den meisten Fabriken in Württemberg und wird als schwäbisches Liverpool bezeichnet.

Am 16. Januar 1892 nimmt Heilbronn mit dem Anschluss an das Stromnetz des Elektrizitätswerks in Lauffen als erste Stadt der Welt die Fernversorgung mit Strom auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist Heilbronn ein wichtiger Warenumschlagplatz in Süddeutschland und eine ausgeprägte Industriestadt.

Im Zuge einer Verwaltungsreform wird Heilbronn am 1. Oktober 1938 Sitz des neuen Landkreises Heilbronn. Zugleich wird Heilbronn kreisfreie Stadt, und die zuvor selbstständigen Gemeinden Sontheim und Neckargartach werden eingemeindet. Die ehemalige Stadt Böckingen war bereits 1933 eingegliedert worden. Mit 72.000 Einwohnern ist Heilbronn somit nach Stuttgart die zweitgrößte Stadt in Württemberg.

Am 10. November 1938 wird die Heilbronner Synagoge durch Brandstiftung zerstört. Im Laufe des Jahres 1939 wird die traditionsreiche jüdische Gemeinde in Heilbronn praktisch ausgelöscht. Im Zweiten Weltkrieg wird die Stadt mehrfach zum Ziel von Luftangriffen. Dem ersten Angriff im Dezember 1940 folgen zahlreiche weitere. Zur Katastrophe für die Stadt wird der Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944, bei dem die Altstadt völlig zerstört wird und über 6500 Menschen ihr Leben verlieren. Am 12. April 1945 besetzen amerikanische Truppen die Stadt. Bei Kriegsende hat Heilbronn noch rund 46.350 Einwohner.

Gegenwart

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg 1945 gehört Heilbronn zur Amerikanischen Besatzungszone. In einer gewaltigen Kraftanstrengung erfolgt in nur wenigen Jahren der Wiederaufbau der völlig zerstörten Stadt.

Durch die Eingemeindung von Klingenberg 1970 hat Heilbronn über 100.000 Einwohner und wird damit Großstadt. 1972 und 1974 werden Kirchhausen, Biberach, Frankenbach und Horkheim eingemeindet. Bei der Kreisreform 1973 bleibt Heilbronn kreisfreie Stadt und Sitz des nunmehr vergrößerten Landkreises Heilbronn sowie der späteren Region Heilbronn-Franken.

In den 1970er Jahren beginnt die kontinuierliche Umgestaltung der den alten Quartieren folgend wiederaufgebauten, dem Verkehr aber nicht mehr gewachsenen Innenstadtbereiche zu Fußgänger- und zu verkehrsberuhigten Zonen. Die Allee wird die wichtigste innerstädtische Verkehrsachse, an ihr entstehen Unterführungen und zeitgenössische Bauwerke wie das 1974 vollendete Wollhauszentrum und das 1982 eröffnete Theater Heilbronn.

Ab 1998 erfolgt der Anschluss der Stadt an das Nahverkehrs-Netz der Stadtbahn nach Karlsruhe, wofür Teile der Innenstadt bis 2005 abermals großflächig umgestaltet wurden. Ebenso erfolgten im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms „Soziale Stadt“ Bau- und Begrünungsmaßnahmen in der Nord- und Südstadt. In der Innenstadt sind der Bau zweier großer neuer Einkaufszentren beim Götzenturm und am Kiliansplatz sowie größere Umgestaltungsmaßnahmen beim Bollwerksturm zu nennen.

In den Jahren 2005 und 2006 wird Heilbronn erste UNICEF-Kinderstadt Deutschlands. 2007 erhält die Stadt den Zuschlag für die Bundesgartenschau 2019.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Das bekannteste Kirchenbauwerk in Heilbronn ist die evangelische Kilianskirche, deren 1529 vollendeter Westturm mit seinem reformatorischen Bildschmuck als erstes bedeutendes Renaissance-Bauwerk nördlich der Alpen gilt. Auch der geschnitzte Marienaltar von Hans Seyfer aus dem 15. Jahrhundert gilt als bedeutender Kunstschatz. Das katholische Deutschordensmünster und die evangelische Nikolaikirche bestehen ebenfalls schon seit dem Mittelalter. In der überwiegend protestantischen Stadt gibt es darüber hinaus noch zahlreiche neuere Kirchenbauten.

Am Marktplatz befinden sich neben der Kilianskirche das auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Heilbronner Rathaus mit seiner schmuckvollen Renaissance-Uhr und der Ehrenhalle im Innenhof, das historische Käthchenhaus mit markantem Erker sowie das barock anmutende Geschäftsgebäude Haus Zehender. Der nur wenig entfernte Deutschhof am Deutschordensmünster war eine seit dem Mittelalter bestehende Hauskommende des Deutschen Ordens und erhielt im 18. Jahrhundert seine heutige Gestalt. Heute sind dort unter anderem Stadtarchiv und Museum untergebracht. Das heute ebenfalls als Museum genutzte, um 1600 erbaute Fleischhaus hat seinen Namen von der einstigen Verwendung als städtischer Gerichtsbau mit Fleischhalle.

Die markanten Denkmäler in der Heilbronner Innenstadt sind das Robert-Mayer-Denkmal auf dem Marktplatz und das Synagogen-Mahnmal an der Allee.

Sämtliche heute noch bestehenden historischen Gebäude der Innenstadt wurden beim Luftangriff auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 schwer beschädigt oder gar zerstört und nach Kriegsende wieder aufgebaut.

Kultur

  • Das Konzert- und Kongresszentrum Harmonie ist ein bedeutender Veranstaltungsort in Heilbronn.
  • Die Stadtbücherei Heilbronn hat einen Bestand von rund 293.000 Medien an ihrem Hauptsitz im K3 sowie in den beiden Zweigstellen in Böckingen und Biberach. Außerdem gibt es eine Fahrbücherei.
  • Das städtische Theater Heilbronn bietet zusammen mit dem Logentheater des Theaterforums K3 Schauspiel- und Opernaufführungen.
  • Theaterschiff Heilbronn, wechselnde Darbietungen
  • Kunst- und Skulpturen-Museum der Städtischen Museen Heilbronn im Deutschhof
  • Archäologie-Museum der Städtischen Museen Heilbronn im Deutschhof
  • Naturhistorisches Museum Heilbronn der Städtischen Museen Heilbronn im Fleischhaus
  • Kleist-Archiv Sembdner
  • Historischer Industriepark Neckargartach der Stadtwerke Heilbronn
  • Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Februar: Pferdemarkt
  • Mai: Trollinger-Marathon
  • Juli: Gaffenberg Festival
  • Juli/August: Unterländer Volksfest
  • September: Heilbronner Weindorf
  • Oktober: Heilbronner Hafenmarkt (Töpfermarkt; von schwäbisch Hafen/Haffen = Topf)
  • November/Dezember: Weihnachtsmarkt auf dem Marktplatz und um die Kilianskirche
  • alle zwei Jahre finden abwechselnd Neckarfest und Neckarvergnügen statt

Sport

Wichtige Heilbronner Sportvereine sind der FC Heilbronn (Fußball) und der Heilbronner Eishockey Club mit der Profimannschaft Heilbronner Falken.

Wirtschaft und Infrastruktur

Ortsansässige Unternehmen (Auswahl)

  • Knorr (Lebensmittel)
  • Baier & Schneider („Brunnen“-Schreibwaren)
  • Campina (Milchverarbeitung)
  • Läpple (Automobilzulieferer, Werkzeuge)
  • Atmel (Halbleiterprodukte)
  • Südwestdeutsche Salzwerke AG (Salzbergwerk)
  • EnBW AG (Energieversorgung; Dampfkraftwerk Heilbronn)

Medien

Heilbronn ist Sitz eines Studios des Südwestrundfunks (SWR). Der Privatsender L-TV produziert ein regionales Nachrichtenfenster für den Großraum Heilbronn/Ludwigsburg. Der private Rundfunk­sender Radio Ton hat seinen Sitz in Heilbronn.

Als Tageszeitung erscheint seit 1946 die Heilbronner Stimme. Kostenlos werden die Anzeigenblätter Neckar Express (wö­chent­lich) und echo (zweimal pro Woche) verteilt. Außerdem gibt es die monatlichen Stadtmagazine Freizeit Journal, Moritz und Phonk.

Bildung

Die Stadt Heilbronn unterhält als Schulträger 35 Schulen, in denen im Schuljahr 2006/2007 insgesamt 20.863 Schüler in 934 Klassen unterrichtet wurden. In Heilbronn gibt es vier Gymnasien, vier Realschulen, sechs Sonderschulen, zahlreiche Grund- und Hauptschulen sowie mehrere Berufs- und Privatschulen.

In Heilbronn gibt es außerdem 87 Kindergärten und Kindertageseinrichtungen, 34 davon haben als Träger die Stadt Heilbronn. Seit Januar 2008 ist in Heilbronn der Kindergartenbesuch kostenlos. Dies gilt für alle Kinder vom dritten Geburtstag bis zur Einschulung und in allen Kindergärten aller Träger.

Die Hochschule Heilbronn mit den Schwerpunkten Technik, Wirtschaft und Informatik wurde im April 1961 als Staatliche Ingenieurschule gegründet. Mit der Reinhold-Würth-Hochschule betreibt sie eine Außenstelle in Künzelsau. Im Jahr 2010 betrug die Zahl der Studierenden 6400 (davon 4700 in Heilbronn).

[Der Text entspricht im Wesentlichen einer gekürzten Version des Wikipedia-Artikels über Heilbronn vom 08.06.2011 und steht als solcher unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.]